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Leseprojekt am DBG

Das Leseprojekt



Was Sie vor Augen haben,

meine Damen und Herren,

dieses Gewimmel,

das sind Buchstaben.

Entschuldigen Sie.

Schwer zu entziffern,

ich weiß, ich weiß.“

Schon in der Unterstufe macht sich die mangelnde Lesepraxis in allen Fächern bemerkbar. Naturgesetze im Biologieunterricht werden ebenso wenig verstanden wie Aufgabenstellungen in Mathematik und oben zitierte Verse von Hans Magnus Enzensberger wirken auf so manchen Oberstufenschüler gar nicht, wie sie gemeint sind, nämlich ironisch. Dabei bestreitet niemand, dass Lesekompetenz eine – wenn nicht die – Schlüsselkompetenz für den Schulerfolg ist.

Breite Unterstützung für das Leseprojekt

Die Idee des Leseprojekts ist im Grunde ganz einfach: Zu Hause findet eine Lesesozialisation bei immer weniger Schülern statt, sodass viele Kinder ihr erstes Buch überhaupt im Rahmen einer Klassenlektüre lesen – meist ohne Enthusiasmus und mit bescheidenem Erfolg. Anstatt weiterhin und wider besseres Wissen davon auszugehen, mit einem Fünftklässler einen fertigen Leser vor sich zu haben, hat sich die Schule entschlossen, dieser Entwicklung im Rahmen ihrer Möglichkeiten entgegenzusteuern.

Seit Ende der Herbstferien 2006 liest jeder Fünftklässler eine Schulstunde die Woche in seinem persönlichen Buch und hält sein Leseerlebnis in einem Lesetagebuch fest. Zu Beginn einer solchen Lesestunde wird eine Bücherkiste, die inzwischen eine Art Kultstatus unter den Schülern erlangt hat, in die Klasse geholt. Darin befinden sich die von der Schule zur Verfügung gestellten Bücher, die einen bunten Mix aus Klassikern und neueren Jugendbüchern repräsentieren.

In einer solchen Lesestunde wird der normale Fachunterricht verschoben. Jede Wochenstunde ist davon einmal im Schuljahr betroffen, das bedeutet, dass z. B. ein fünfstündiges Fach wie Mathematik oder Englisch fünf Stunden dem Leseprojekt zur Verfügung stellt. Somit konnte und kann das Projekt nur mit einer breiten Basis über Fachschaftsgrenzen hinweg funktionieren. Dafür wollen wir allen Kollegen am DBG an dieser Stelle herzlich danken.

Dank gilt an dieser Stelle auch unseren Partnern: dem Elternbeirat der Schule und der Buchhandlung „Die Bücheroase“ in Oberasbach, die unser Projekt finanziell und materiell unterstützen.

„Lies das mal, lies!“

Der bisherige Verlauf des Leseprojekts stimmt optimistisch. Die Schüler nehmen mit einer erstaunlich Mehrheit unser Angebot an. Diejenigen, die ohnehin gern gelesen haben, ebenso, wie die, die anfangs eher skeptisch waren und jetzt immer öfter feststellen, dass Lesen so viel mehr ist als Fahrpläne oder SMS zu entziffern.

Auch für die Organisatoren gab es unerwartete Erfolgserlebnisse. So ist es uns eher beiläufig gelungen, Lesen zu einem Gemeinschaftserlebnis zu machen. Die Lesestunde ist schnell zu einem Ritual innerhalb der Klassengemeinschaft geworden. Wie das gemeint ist, lässt sich am besten am Beispiel der Klasse 5x zeigen, wie es sich genauso letzten Donnerstag in der 2. Stunde ereignet haben könnte:

30 Schüler sitzen seit geraumer Zeit still über ihren Büchern. Selbst der Zappel-Philipp hinten links, von dem man das nun gar nicht erwarten würde, liest seit Beginn der Stunde in sich versunken in seinem Buch. Plötzlich kann die Schülerin S. nicht mehr an sich halten und fängt laut an zu lachen, beugt sich zu ihrer Nachbarin und kichert: „Lies das mal, lies!“ Von vorn meckert der Schüler A.: „Kannst du mal aufhören zu lachen? In meinem Buch stirbt gerade einer!“ Der Lehrer sorgt kurz für Ruhe, was sonst eigentlich in einer Lesestunde selten vorkommt, und wenig später – so kommt es den Schülern zumindest vor – ist die Lesestunde schon vorbei. Für heute jedenfalls. Auf dem Weg in die Pause werden dann doch noch ein paar Leseerfahrungen ausgetauscht und die Hoffnung geäußert, dass Lehrer P. morgen in der Vertretungsstunde die Bücherkiste holen lässt.

Leseprojekt als Impuls

Ein bekannter Leseforscher hat einmal gesagt, dass „Leseförderung“ mit „Leselustförderung“ gleichzusetzen sei. Auch wenn wir den tatsächlichen Erfolg des Leseprojekts erst in ein paar Jahren messen können, bestätigen uns schon heute die Schüler, dass wir der Lust am Lesen einen Anstoß gegeben haben.

Zum Schluss daher noch ein Appell an die Eltern: Wir verstehen unser Projekt als Impuls für eine im Idealfall nie endende Lesekarriere. Damit unser Leseprojekt kein Tropfen auf den heißen Stein bleibt, geben Sie ihren Kindern zu Hause den Freiraum zu lesen – und teilen sie doch mit ihren Kindern die Freude daran.

David Denninger                                                                 Lars Köpplinger

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