Projekte und Vorträge

Den Tsunami von Weihnachten 2004 erleben und überleben - Vortrag unserer ehemaligen Schülerin Delia Zimmler

Am Donnerstag vor den Weihnachtsferien berichtete Delia Zimmler erneut in packender Art und Weise von ihren Erlebnissen mit dem Tsunami am 26.12.2004 im Indischen Ozean, den sie in ihrer an der Küste von Sri Lanka gelegenen Hotelanlage nur knapp mit viel Willenskraft und mindestens genauso viel Glück überlebte.

Das Wort Tsunami war zu diesem Zeitpunkt für Menschen in Sri Lanka bzw. im Bereich des Indischen Ozeans ein Fremdwort und auch im Geographieunterricht in Deutschland bzw. Bayern kam das Wort Tsunami im Lehrplan nicht vor. Erst diese völlig überraschende und für sehr viele Küstenbewohner und Touristenvor allem in Indonesien, Thailand, Sri Lanka und Indien tödliche Welle, rückte dieses katastrophenartige Naturereignis in unser Bewusstsein.

Obwohl die vor der Küste Indonesiens durch Erdplattenverschiebungen entstandene Tsunamiwelle schon mehr als eine Stunde unterwegs war, wusste in Sri Lanka niemand etwas davon. Als sich das Wasser von der Küste zurückzog strömten die Einheimischen – die meist auch nicht schwimmen können – in Scharen auf die plötzlich frei liegenden Riffe und sammelten zum Teil begeistert Krebse und anderes Meeresgetier für ihre nächste Mahlzeit ein, welche die meisten von ihnen angesichts der dann folgenden großen Tsunamiwelle nicht mehr erlebten.

Auch Frau Zimmler wurde von der Welle auf der Flucht in ihr hinter dem Hotel gelegenes Wohnhaus mitgerissen und hatte Glück im Unglück, dass die Welle sie und den von ihr noch zu retten wollenden britischen Hotelgast durch die massive Holztür ihres Hauses drückte, wo sie dann gefangen im Treppenbereich mit den Wassermassen um das nackte Überleben kämpfte. Da das massiv gebaute Hotel und das Wohnhaus über einen ersten Stock verfügten und beide Gebäude den Wassermassen standhielten, überlebte ihre ganze Familie – wenn auch mit Schrecken – den Tsunami und es gab auch keine Todesfälle bei den Gästen in ihrem Hotel. Das am Pool liegende Spielzeug ihrer Tochter fand sich zum Teil nach dem Tsunami auf dem Balkon des 1. Stocks wieder. Die Hotelzimmer in Richtung Ufer wurden durch den Sog der Welle inklusive Sanitärausstattung komplett leergeräumt. Nur noch Scherben und Trümmerteile kennzeichneten weite Teile der Küste Sri Lankas und es gab bei dem schwül warmen Wetter sofort ein Insekten-, Trinkwasser- und Nahrungsmittelproblem.

Kurze Zeit nach dem Tsunami begann Frau Zimmler zusammen mit ihrem wieder nach Deutschland zurückgereisten Bruder und dessen Freund ein Hilfsprogramm von beeindruckendem Umfang für die notleidende einheimische Küstenbevölkerung zu organisieren. Mit Hilfe der Spendengelder aus Deutschland wurden einfache Plastikschlappen gekauft, damit sich nicht ständig die Menschen in den vielen herumliegenden Glassplittern die Füße aufschnitten und die Wunden mangels Hygiene sofort sich entzündeten. Daneben ging es zuerst um sauberes Trinkwasser und ausreichend Nahrung. Am Ende wurden mit den Spendengeldern sogar für ein besonders von der Welle betroffenes Nachbardorf einfache Wohnhäuser gebaut sowie eine kleine Schule. „Einmal Lehrer, immer Lehrer“ – wie Frau Zimmler an dieser Stelle des Vortrages jeweils sagte. Damit alle 10. Klassen den Vortrag hören konnten, hielt sie ihn insgesamt dreimal an diesem Tag.

Dafür sei ihr nochmals an dieser Stelle herzlichst gedankt!!! Ein Dank geht auch an Grundschule, die es Frau Zimmler ermöglichte, an diesem Tag den Vortrag bei uns zu halten. Auch ihre Tochter Aila – zum Zeitpunkt des Tsunami noch ein Kleinkind – war als Teenager dieses Mal bei den Vorträgen dabei. Auch sie hatte damals dank der Fürsorge der Mutter von Frau Zimmler den Tsunami unbeschadet im Badezimmer im ersten Stock des Wohnhauses überlebt. Ein Glück, dass die Welle bzw. in diesem Fall Wellen nicht noch höher an dieser Stelle waren.

Im Namen der Fachschaft

Hermann Bähr