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Projekte und Vorträge

Letzte Änderung:
30.07.2017

Tsunami-Vortrag von Frau Zimmler

Auch im Schuljahr 2016/17 fand in der Woche vor Weihnachten der Vortag von unserer inzwischen leider ehemaligen Kollegin und gleichzeitig Ex-Schülerin Delia Zimmler über ihre Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Tsunami vom Jahr 2004 im Indischen Ozean auf Sri Lanka für alle unsere 10. Klassen statt.

Erneut schilderte sie in packender Art und Weise den Schülern ihre Erlebnisse vom Leben und Überleben auf Sri Lanka vor, während und nach dem Tsunami. Ihre Familie und die Gäste in dem Hotel, das sie damals in Sri Lanka betrieb, hatten insgesamt Glück, da sie alle den Tsunami - wenn auch zum Teil nicht unerheblich verletzt - überlebten.

Der für den Vortrag von engagierten Schüler/innen eingesammelte Geldbetrag wird von Frau Zimmler für ihre Arbeit bei der Flüchtlingshilfe verwendet, wo sie aktives Mitglied ist.

Je zwei zehnte Klassen wurden für den Vortrag zusammengefasst, so dass Frau Zimmler dreimal den Vortrag mit all den auch für sie nicht immer leichten Erinnerungen an diesem Mittwoch kurz vor den Weihnachtsferien hielt.

Der Vortrag wurde nur möglich, da Frau Zimmler an diesem Tag – wo an ihrer derzeitigen Grundschule ein Projekttag stattfand und sie deshalb keine direkte Unterrichtsverpflichtung hatte – sich dafür einsetzte, diesen Vortrag erneut bei uns an der Schule halten zu dürfen!

Für dieses außerordentliche Engagement dankt Ihr die Fachschaft Geographie an dieser Stelle noch einmal herzlichst!!! Wir vermissen sie als Kollegin und wünschen Ihr weiterhin alles Gute!

Im Namen der Fachschaft

Hermann Bähr



Frau Zimmler während des Vortrags


Vom Tsunami ausgespülte Hotelzimmer in Fr. Zimmlers Hotel. Die komplette Außenwand inklusive Einrichtung ist durch den Sog einfach weg


Valentina Guerreiro und Chiara Billenstein bedanken sich im Namen der Klasse 10d für den Vortrag


Das Riff vor der Hotelanlage ist plötzlich ohne Wasser und wird von den neugierigen Menschen betreten, die nicht ahnen, dass bald eine zerstörerische Tsunamiwelle kommt.

Eine Welle des Entsetzens

Von allen Naturkatastrophen der vergangenen Jahre erinnern viele sich vor allem noch an jene, die sich kurz nach Weihnachten 2004 im Raum des Indischen Ozeans ereignete: Der Tsunami, der über 230.000 Menschen das Leben kostete und die Küsten von Sri Lanka, Ost-Indien sowie Indonesien und Thailand mit Zerstörung und Verzweiflung überzog.

Man kann sich kaum vorstellen, dass eine Lehrerin der eigenen Schule, der man täglich auf dem Gang begegnet, dieses wohl größte Seebeben der vergangenen Jahre selbst mit erlebt und vor allem überlebt hat.

Unsere Geschichts- und Englischlehrerin Delia Zimmler leitete zu der Zeit der Katastrophe zusammen mit ihrem Mann ein Hotel mit Tauchschule auf Sri Lanka und erinnert sich an das Geschehen als sei es gestern gewesen. Anhand einer Powerpointpräsentation berichtet sie den 10. Klassen des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums zum 10jährigen Jahrestag der Katastrophe von ihrem Kampf ums Überleben und den Folgen des Tsunamis, welcher auch heute noch Spuren hinterlassen hat.

Anhand der Bilder von Familienmitgliedern kann man sich die Szene vor der Katastrophe nur allzu gut vorstellen: Ein warmer Sommertag, der Strand voller Leute, die badeten oder die Sonne genossen, und das Meer ruhig und friedlich.
Doch dieses Trugbild eines idyllischen Ferientages verwandelte sich in Sekundenbruchteilen in einen wahr gewordenen Alptraum: Unerwartet und vollkommen ausgeliefert wurde die Küste von den gewaltigen Wassermassen getroffen, die Häuser, Autos, Tiere und Menschen mit sich rissen als wären sie Spielzeuge.

 „Viele haben bei dem Begriff Tsunami das Bild einer meterhohen Riesenwelle vor Augen, die wie eine Wand auf die Küste zurollt“, berichtet Frau Zimmler, „doch es war vielmehr so, als hätte sich ein gewaltiger Staudamm geöffnet, der die Küste wie eine Badewanne mit Unmengen Wasser füllte, sodass der Meeresspiegel innerhalb von Sekunden bis zum Hals gestiegen war und alles bedeckte.“

Sie selbst wurde von den Wassermassen erfasst und durch die Eingangstür ihres Wohnhauses geworfen. Diese Tür zerbarst zu ihrem Glück durch ihren Aufprall auf selbige und die Wucht der Welle. Frau Zimmler kämpfte sich durch das überflutete Erdgeschoss ihres Wohnhauses unter Aufbietung aller Kräfte in den ersten Stock, auf der Suche nach ihrer erst zweijährigen Tochter. Diese war zusammen mit ihrer Großmutter noch rechtzeitig in das obere Stockwerk geflüchtet.

Wände und Mauern im Erdgeschoß des Hotels wurden wie Styropor von den Fluten durchbrochen und Menschen schlugen die Fenster in Bussen ein, um den verheerenden Kräften der Welle zu entkommen. „Wir hatten großes Glück. Meine Familie und ich und auch all unsere Hotelgäste konnten sich entweder in den jeweils ersten Gebäudestock oder auf einen nahen Berg vor den Wassermassen retten, sodass wir alle das Unglück überlebten.“ Auf der Meeresseite hatte die Flutwelle alles inklusive Sanitärinstallation aus den Hotelzimmern herausgerissen.

Doch Zeit zum Erholen und Aufatmen nach der Katastrophe blieb kaum: Die Versorgung mit Essen und Trinken war stark eingeschränkt, durch die ausgespülten Fäkaliengruben war das Trinkwasser verseucht und für Verwundete bestand eine hohe Infektionsgefahr sowie ein Mangel an Kleidung, Fahrzeugen, Strom oder Unterkünften.

Der Kampf ums Überleben und den Wiederaufbau war nur gemeinsam und mit Hilfe von außen möglich. Frau Zimmler entschied sich, trotz der zerstörten Heimat und Gefahr auf Sri Lanka zu bleiben, und zu helfen wo sie konnte, indem sie mitunter Spenden sammelte, Verletzten half und beim Wiederaufbau von Häusern tätig war.
Enttäuscht wurde sie jedoch vor allem von den großen Hilfsorganisationen, welche mit Unterstützung und Antworten auf Anfragen auf sich warten ließen und insgesamt wenig Projekte zustande brachten. „In der Zeit in der von den Hilfsorganisationen eine neue Hütte errichtet wurde, haben Privatpersonen vor Ort bereits 10 gebaut“.
Letztendlich schafften Frau Zimmler und die übrigen Helfer es, nach und nach die Folgen des Unglücks in der näheren Umgebung zu bewältigen. Sie selbst hielt ihr Vorgehen und ihre Gedanken dabei schriftlich fest und glaubte fest an einen Wiederaufbau durch gemeinsame Zusammenarbeit.

Doch die Willkür der Natur hätte all diese Bemühungen fast wieder zunichte gemacht. „Als wir gerade mitten im Wiederaufbau waren, hieß es, es gäbe eine erneute Tsunamiwarnung. Die Furcht war diesmal eine andere und größere. Alles was man mühevoll und über lange Zeit hinweg wieder aufgebaut hatte, drohte erneut zerstört zu werden und der Alptraum sich zu wiederholen.“ Glücklicherweise hatte das neuere Seebeben jedoch keine drastischen Folgen. Es führte jedoch erneut vor Augen, wie wehrlos und ausgeliefert der Mensch gegenüber den Kräften der Natur ist, was sich auch heutzutage, 10 Jahre später, nicht groß geändert hat.

Wichtig wäre im Fall von Sri Lanka vor allem ein gutes Vorwarnsystem gewesen, welches die rechtzeitige Evakuierung von Menschen und Tieren und somit die Vermeidung vieler unvorbereiteter Todesopfer ermöglicht hätte, sowie die allgemeine Vertrautheit mit den Vorzeichen eines Tsunamis, wie zum Beispiel der Rückzug des Wassers vor der Flutwelle.

Etwa zwei Jahre dauerte es, bis die Normalität auf Sri Lanka einigermaßen wieder hergestellt war. Die Schreckensbilder und Erfahrungen werden Frau Zimmler, welche 2008 zurück nach Deutschland kehrte, jedoch nie ganz verlassen. Indem sie ihre Geschichte erzählt und als Zeugin von der Katastrophe berichtet, bewältigt sie einerseits das Geschehene und erinnert andererseits an die Opfer und deren Schicksale, welche sie auch heute noch unterstützt.

Auch steht das Thema Tsunami seit dem Ereignis 2004 auf dem Geographielehrplan der 10. Klasse in Bayern und beinhaltet auch dessen Entstehung sowie Kennzeichen.

Am liebsten wäre Frau Zimmler natürlich gewesen, es hätte den Tsunami nie gegeben – aber für die auf Hilfe angewiesenen Menschen in Sri Lanka wäre es sicher noch schlimmer gewesen, es hätte keine so engagierten und mutigen Helfer gegeben wie Frau Zimmler eine war und immer noch ist.


Clara von Taysen & Anna Siegling, Klasse 10b

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