gym-oberasbach: Fachbereiche » Geographie » Projekte und Vorträge 

Projekte und Vorträge

Letzte Änderung:
05.08.2018

Den Tsunami von Weihnachten 2004 erleben und überleben - Vortrag unserer ehemaligen Schülerin Delia Zimmler








Am Donnerstag vor den Weihnachtsferien berichtete Delia Zimmler erneut in packender Art und Weise von ihren Erlebnissen mit dem Tsunami am 26.12.2004 im Indischen Ozean, den sie in ihrer an der Küste von Sri Lanka gelegenen Hotelanlage nur knapp mit viel Willenskraft und mindestens genauso viel Glück überlebte.

Das Wort Tsunami war zu diesem Zeitpunkt für Menschen in Sri Lanka bzw. im Bereich des Indischen Ozeans ein Fremdwort und auch im Geographieunterricht in Deutschland bzw. Bayern kam das Wort Tsunami im Lehrplan nicht vor. Erst diese völlig überraschende und für sehr viele Küstenbewohner und Touristenvor allem in Indonesien, Thailand, Sri Lanka und Indien tödliche Welle, rückte dieses katastrophenartige Naturereignis in unser Bewusstsein.

Obwohl die vor der Küste Indonesiens durch Erdplattenverschiebungen entstandene Tsunamiwelle schon mehr als eine Stunde unterwegs war, wusste in Sri Lanka niemand etwas davon. Als sich das Wasser von der Küste zurückzog strömten die Einheimischen – die meist auch nicht schwimmen können – in Scharen auf die plötzlich frei liegenden Riffe und sammelten zum Teil begeistert Krebse und anderes Meeresgetier für ihre nächste Mahlzeit ein, welche die meisten von ihnen angesichts der dann folgenden großen Tsunamiwelle nicht mehr erlebten.

Auch Frau Zimmler wurde von der Welle auf der Flucht in ihr hinter dem Hotel gelegenes Wohnhaus mitgerissen und hatte Glück im Unglück, dass die Welle sie und den von ihr noch zu retten wollenden britischen Hotelgast durch die massive Holztür ihres Hauses drückte, wo sie dann gefangen im Treppenbereich mit den Wassermassen um das nackte Überleben kämpfte. Da das massiv gebaute Hotel und das Wohnhaus über einen ersten Stock verfügten und beide Gebäude den Wassermassen standhielten, überlebte ihre ganze Familie – wenn auch mit Schrecken – den Tsunami und es gab auch keine Todesfälle bei den Gästen in ihrem Hotel. Das am Pool liegende Spielzeug ihrer Tochter fand sich zum Teil nach dem Tsunami auf dem Balkon des 1. Stocks wieder. Die Hotelzimmer in Richtung Ufer wurden durch den Sog der Welle inklusive Sanitärausstattung komplett leergeräumt. Nur noch Scherben und Trümmerteile kennzeichneten weite Teile der Küste Sri Lankas und es gab bei dem schwül warmen Wetter sofort ein Insekten-, Trinkwasser- und Nahrungsmittelproblem.

Kurze Zeit nach dem Tsunami begann Frau Zimmler zusammen mit ihrem wieder nach Deutschland zurückgereisten Bruder und dessen Freund ein Hilfsprogramm von beeindruckendem Umfang für die notleidende einheimische Küstenbevölkerung zu organisieren. Mit Hilfe der Spendengelder aus Deutschland wurden einfache Plastikschlappen gekauft, damit sich nicht ständig die Menschen in den vielen herumliegenden Glassplittern die Füße aufschnitten und die Wunden mangels Hygiene sofort sich entzündeten. Daneben ging es zuerst um sauberes Trinkwasser und ausreichend Nahrung. Am Ende wurden mit den Spendengeldern sogar für ein besonders von der Welle betroffenes Nachbardorf einfache Wohnhäuser gebaut sowie eine kleine Schule. „Einmal Lehrer, immer Lehrer“ – wie Frau Zimmler an dieser Stelle des Vortrages jeweils sagte. Damit alle 10. Klassen den Vortrag hören konnten, hielt sie ihn insgesamt dreimal an diesem Tag.

Dafür sei ihr nochmals an dieser Stelle herzlichst gedankt!!! Ein Dank geht auch an Grundschule, die es Frau Zimmler ermöglichte, an diesem Tag den Vortrag bei uns zu halten. Auch ihre Tochter Aila – zum Zeitpunkt des Tsunami noch ein Kleinkind – war als Teenager dieses Mal bei den Vorträgen dabei. Auch sie hatte damals dank der Fürsorge der Mutter von Frau Zimmler den Tsunami unbeschadet im Badezimmer im ersten Stock des Wohnhauses überlebt. Ein Glück, dass die Welle bzw. in diesem Fall Wellen nicht noch höher an dieser Stelle waren.

Im Namen der Fachschaft

Hermann Bähr

Eine Welle des Entsetzens

Von allen Naturkatastrophen der vergangenen Jahre erinnern viele sich vor allem noch an jene, die sich kurz nach Weihnachten 2004 im Raum des Indischen Ozeans ereignete: Der Tsunami, der über 230.000 Menschen das Leben kostete und die Küsten von Sri Lanka, Ost-Indien sowie Indonesien und Thailand mit Zerstörung und Verzweiflung überzog.

Man kann sich kaum vorstellen, dass eine Lehrerin der eigenen Schule, der man täglich auf dem Gang begegnet, dieses wohl größte Seebeben der vergangenen Jahre selbst mit erlebt und vor allem überlebt hat.

Unsere Geschichts- und Englischlehrerin Delia Zimmler leitete zu der Zeit der Katastrophe zusammen mit ihrem Mann ein Hotel mit Tauchschule auf Sri Lanka und erinnert sich an das Geschehen als sei es gestern gewesen. Anhand einer Powerpointpräsentation berichtet sie den 10. Klassen des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums zum 10jährigen Jahrestag der Katastrophe von ihrem Kampf ums Überleben und den Folgen des Tsunamis, welcher auch heute noch Spuren hinterlassen hat.

Anhand der Bilder von Familienmitgliedern kann man sich die Szene vor der Katastrophe nur allzu gut vorstellen: Ein warmer Sommertag, der Strand voller Leute, die badeten oder die Sonne genossen, und das Meer ruhig und friedlich.
Doch dieses Trugbild eines idyllischen Ferientages verwandelte sich in Sekundenbruchteilen in einen wahr gewordenen Alptraum: Unerwartet und vollkommen ausgeliefert wurde die Küste von den gewaltigen Wassermassen getroffen, die Häuser, Autos, Tiere und Menschen mit sich rissen als wären sie Spielzeuge.

 „Viele haben bei dem Begriff Tsunami das Bild einer meterhohen Riesenwelle vor Augen, die wie eine Wand auf die Küste zurollt“, berichtet Frau Zimmler, „doch es war vielmehr so, als hätte sich ein gewaltiger Staudamm geöffnet, der die Küste wie eine Badewanne mit Unmengen Wasser füllte, sodass der Meeresspiegel innerhalb von Sekunden bis zum Hals gestiegen war und alles bedeckte.“

Sie selbst wurde von den Wassermassen erfasst und durch die Eingangstür ihres Wohnhauses geworfen. Diese Tür zerbarst zu ihrem Glück durch ihren Aufprall auf selbige und die Wucht der Welle. Frau Zimmler kämpfte sich durch das überflutete Erdgeschoss ihres Wohnhauses unter Aufbietung aller Kräfte in den ersten Stock, auf der Suche nach ihrer erst zweijährigen Tochter. Diese war zusammen mit ihrer Großmutter noch rechtzeitig in das obere Stockwerk geflüchtet.

Wände und Mauern im Erdgeschoß des Hotels wurden wie Styropor von den Fluten durchbrochen und Menschen schlugen die Fenster in Bussen ein, um den verheerenden Kräften der Welle zu entkommen. „Wir hatten großes Glück. Meine Familie und ich und auch all unsere Hotelgäste konnten sich entweder in den jeweils ersten Gebäudestock oder auf einen nahen Berg vor den Wassermassen retten, sodass wir alle das Unglück überlebten.“ Auf der Meeresseite hatte die Flutwelle alles inklusive Sanitärinstallation aus den Hotelzimmern herausgerissen.

Doch Zeit zum Erholen und Aufatmen nach der Katastrophe blieb kaum: Die Versorgung mit Essen und Trinken war stark eingeschränkt, durch die ausgespülten Fäkaliengruben war das Trinkwasser verseucht und für Verwundete bestand eine hohe Infektionsgefahr sowie ein Mangel an Kleidung, Fahrzeugen, Strom oder Unterkünften.

Der Kampf ums Überleben und den Wiederaufbau war nur gemeinsam und mit Hilfe von außen möglich. Frau Zimmler entschied sich, trotz der zerstörten Heimat und Gefahr auf Sri Lanka zu bleiben, und zu helfen wo sie konnte, indem sie mitunter Spenden sammelte, Verletzten half und beim Wiederaufbau von Häusern tätig war.
Enttäuscht wurde sie jedoch vor allem von den großen Hilfsorganisationen, welche mit Unterstützung und Antworten auf Anfragen auf sich warten ließen und insgesamt wenig Projekte zustande brachten. „In der Zeit in der von den Hilfsorganisationen eine neue Hütte errichtet wurde, haben Privatpersonen vor Ort bereits 10 gebaut“.
Letztendlich schafften Frau Zimmler und die übrigen Helfer es, nach und nach die Folgen des Unglücks in der näheren Umgebung zu bewältigen. Sie selbst hielt ihr Vorgehen und ihre Gedanken dabei schriftlich fest und glaubte fest an einen Wiederaufbau durch gemeinsame Zusammenarbeit.

Doch die Willkür der Natur hätte all diese Bemühungen fast wieder zunichte gemacht. „Als wir gerade mitten im Wiederaufbau waren, hieß es, es gäbe eine erneute Tsunamiwarnung. Die Furcht war diesmal eine andere und größere. Alles was man mühevoll und über lange Zeit hinweg wieder aufgebaut hatte, drohte erneut zerstört zu werden und der Alptraum sich zu wiederholen.“ Glücklicherweise hatte das neuere Seebeben jedoch keine drastischen Folgen. Es führte jedoch erneut vor Augen, wie wehrlos und ausgeliefert der Mensch gegenüber den Kräften der Natur ist, was sich auch heutzutage, 10 Jahre später, nicht groß geändert hat.

Wichtig wäre im Fall von Sri Lanka vor allem ein gutes Vorwarnsystem gewesen, welches die rechtzeitige Evakuierung von Menschen und Tieren und somit die Vermeidung vieler unvorbereiteter Todesopfer ermöglicht hätte, sowie die allgemeine Vertrautheit mit den Vorzeichen eines Tsunamis, wie zum Beispiel der Rückzug des Wassers vor der Flutwelle.

Etwa zwei Jahre dauerte es, bis die Normalität auf Sri Lanka einigermaßen wieder hergestellt war. Die Schreckensbilder und Erfahrungen werden Frau Zimmler, welche 2008 zurück nach Deutschland kehrte, jedoch nie ganz verlassen. Indem sie ihre Geschichte erzählt und als Zeugin von der Katastrophe berichtet, bewältigt sie einerseits das Geschehene und erinnert andererseits an die Opfer und deren Schicksale, welche sie auch heute noch unterstützt.

Auch steht das Thema Tsunami seit dem Ereignis 2004 auf dem Geographielehrplan der 10. Klasse in Bayern und beinhaltet auch dessen Entstehung sowie Kennzeichen.

Am liebsten wäre Frau Zimmler natürlich gewesen, es hätte den Tsunami nie gegeben – aber für die auf Hilfe angewiesenen Menschen in Sri Lanka wäre es sicher noch schlimmer gewesen, es hätte keine so engagierten und mutigen Helfer gegeben wie Frau Zimmler eine war und immer noch ist.


Clara von Taysen & Anna Siegling, Klasse 10b

Sparkasse Raiffeisenbank Partner BR